DER HEXENBERG UND DIE HÖLZERNEN SKULPTUREN

Der Hexenberg ist eines der meistbesuchten touristischen Ziele der Kurischen Nehrung.

Schon mehr als vierzig Jahre zieht der Skulpturenpark am Hexenberg die Besucher der Kurischen Nehrung in seinen Bann. Seine Anfänge liegen im Jahr 1979, als Holzschnitzer und Schmiede aus ganz Litauen nach Juodkrantė eingeladen wurden. Der Eingang zu dem Pfad mit den hölzernen Skulpturen ist an der Steintreppe zwischen zwei historischen Landmarken des Ostseebades Schwarzort, nämlich dem Evaberg und der Wilhelmshöhe. Diese Bezeichnungen erzählen von der großen Geschichte des Kurortes und gleichzeitig von den tiefgreifenden Umwälzungen, die das einstige Fischerdorf Schwarzort (heute Juodkrantė) im 19. Jahrhundert durchlaufen hat.

Das Jahr 1833 bedeutete für die Kurische Nehrung, und damit für Schwarzort, den Verlust seiner Bedeutung als Teil des europäischen Postweges Paris-Berlin-Sankt Petersburg. Im frühen  des 19. Jahrhundert wurde das an der Haffseite liegende Dorf Schwarzort von drei Seiten zunehmend vom wehenden Flugsand bedroht. Dass es nicht unter dem Sand begraben wurde, ist den Aufforstungsarbeiten auf der Nehrung zu verdanken, die vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts intensiv betrieben wurden.

Doch für das Überleben des Ortes spielten noch andere Faktoren eine wichtige Rolle: Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Fahrrinnen im Kurischen Haff vertieft wurden, gab es eine regelmäßige Dampferverbindung nach Schwarzort. Damit wurde das Fischerdorf, das jahrhundertelang von der Außenwelt abgeschnitten gewesen war, zum Anziehungspunkt für Erholungssuchende aus Memel, Tilsit und Königsberg.

Mit der Aufnahme der industriellen Bernsteingewinnung durch das Unternehmen Stantien & Becker auf der Höhe von Schwarzort (1861) begann die dynamische Entwicklung des Fischerdorfs zu einem elegantenOstseebad in reizvoller Natur. Bereits 1865 wurde die alte Dorfschänke zu einem Gästehaus umgebaut, aus dem sich später das große Hotel Kurischer Hof entwickelte. Innerhalb von Jahrzehnten bildete sich die Infrastruktur eines Ferienortes heraus, es entstanden Hotels, Pensionen, ein Dampferanleger und vieles mehr. Das Image des Seebades in besonders schöner landschaftlicher Umgebung baute insbesondere auf dem Wald von Schwarzort mit seinen alten Kiefern und Tannen, die auf den hohen Sicheldünen standen. Um diese einzigartige Landschaft als besondere Attraktion des Urlaubsortes herauszustellen, wurden im Wald Spazierwege angelegt. An einer dieser alten Promenaden entlang reiht sich heute die Ausstellung von Holzskulpturen nach Motiven litauischer Volksmärchen, die Sie hier sehen können.

Die noch erhaltenen alten Spazierwege des Waldparks im heutigen Juodkrantė lieferten im späten 20. Jahrhundert den Impuls zur Anlage dieses Freizeitpfades mit hölzernen Skulpturen. Als Leitmotiv wurdenbeliebte Figuren der mündlichen Überlieferung gewählt, vor allem Hexen und Teufel. Die Schnitzer ließen sich von dem besonderen Charakter der Landschaft mit ihrer mystischen Atmosphäre inspirieren, die zwischen den Abhängen der Sicheldünen, den hundertjährigen Kiefern und Tannen herrscht. Dies ist auch auf der Kurischen Nehrung ein einzigartiger Ort, der wohl nirgends anders auf der Welt seinesgleichen findet.

Und so entstand die Ausstellung der Holzskulpturen. In den 1970er Jahren wurden in Litauen die beliebten Sommerlager für Künstler, bei denen Meister der traditionellen Schnitzkunst ganze Serien von Skulpturen schufen. Einer von ihnen ist die Čiurlionis-Straße in Druskininkai und in der Gemeinde Varėna, die dem litauischen Nationalkünstler Čiurlionis gewidmet ist. Ablingos memorialinis skulptūrų ansamblis .ir kt.Angesichts solcher und anderer Vorbilder veranstaltete die Verwaltung der Stadtgemeinde Neringa 1979 ein Künstlerlager in Juodkrantė. Die dabei entstehenden Arbeiten waren dem Internationalen Jahr des Kindes gewidmet. Organisiert wurde der Workshop für Holzschnitzer und Schmiede von dem Bildhauer Steponas Šarapovas und dem Architekten Algimantas Nasvytis. Die Leitung lag bei der Kunsthistorikerin Aldona Ulevičienė vom Haus für Volkskunst und dem Künstler Romualdas Navickas von der Volkskunstvereinigung.

Das Künstlerlager in Juodkrantė unterschied sich von ähnlich gelagerten Veranstaltungen in Litauen der damaligen Zeit durch das besondere Bemühen, unüberlegte Lösungen zu vermeiden; die Künstler wählten die Themen ihrer Arbeiten bereits im Voraus und mussten Modelle zur fachlichen Begutachtung einreichen. Dank dieser Vorbereitungsphase wurden willkürliche Werke von geringem künstlerischem Wert von vornherein ausgeschlossen. Bei den drei 1979 bis 1981 veranstalteten Workshops fertigten fünfzig Schnitzer und Schmiede insgesamt 71 Skulpturen. Der Skulpturenpfad wurde später ergänzt und erneuert: 1988 entstanden 12 Skulpturen zum Spielen, und 1999 machte man sich an die Restaurierung der bereits zwei Jahrzehnte alten Exponate. 2002 wurde ein Teil der Skulpturen, die dem feuchten Seeklima nicht standgehalten hatten, durch neue ersetzt.

Einige auf dem Hexenberg wachsende Eichen sind ebenfalls zu Kunstwerken geworden. Sie laden dazu ein, sich am Einfallsreichtum der Volkskünstler zu erfreuen und unbeschwert zu spielen, aber auch einzutauchen in die Welt der Sagen und Märchen auf der Nehrung. Und schließlich rufen sie auch Bewunderung für die beharrliche menschliche Arbeit hervor, die dieses Land dem Wind und dem Sand abgetrotzt hat.

Žiemos garsai

Naminė pelėda